Cloud 5 Min. Lesezeit Von Sascha Zaluskowski
Cloud oder lokaler Server? Was für Ihren Betrieb besser passt
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Die Ausgangslage
Als Unternehmer stehen Sie früher oder später vor der Frage: Sollen unsere Daten und Programme auf einem eigenen Server im Büro laufen — oder verlagern wir alles in die Cloud? Die Antwort ist nicht so eindeutig, wie viele IT-Anbieter es darstellen. Beide Wege haben Stärken und Schwächen. Welcher besser passt, hängt von Ihrem Betrieb ab.
Was “Cloud” konkret bedeutet
Cloud heißt: Ihre Daten und Programme liegen nicht auf einem Gerät bei Ihnen im Büro, sondern auf Servern in einem Rechenzentrum. Sie greifen über das Internet darauf zu — vom Büro-PC, vom Laptop unterwegs oder vom Tablet.
Typische Cloud-Dienste für den Mittelstand sind E-Mail und gemeinsame Dateiablage, Cloud-basierte Branchensoftware und Cloud-Speicher für die Datensicherung.
Cloud heißt nicht automatisch Microsoft
Viele setzen “Cloud” wie selbstverständlich mit Microsoft 365 oder Google gleich. Dabei geht es auch anders: E-Mail und Dateien lassen sich auf einem gemieteten Server in Deutschland betreiben — mit bewährter Software wie Mailcow (E-Mail, Kalender) und Nextcloud (Dateien, Zusammenarbeit). Sie bekommen dieselben Vorteile: Zugriff von überall, keine eigene Hardware im Büro. Aber Ihre Daten bleiben unter Ihrer Kontrolle auf deutschen Servern, und es fallen keine Lizenzgebühren pro Arbeitsplatz an. Wer sich um den Betrieb nicht selbst kümmern möchte, lässt das Ganze als gemanagte Variante laufen — dann übernehme ich Wartung und Updates.
Was ein lokaler Server bietet
Ein lokaler Server ist ein Rechner in Ihrem Büro, auf dem Ihre Daten und Programme zentral gespeichert sind. Alle Arbeitsplätze im Büro greifen über das lokale Netzwerk darauf zu — schnell und ohne Internetabhängigkeit.

Der ehrliche Vergleich
Wann die Cloud besser passt
- Mehrere Standorte oder Außendienst: Wenn Ihre Mitarbeiter viel unterwegs sind oder von verschiedenen Orten arbeiten, ist die Cloud klar im Vorteil. Zugriff von überall, ohne VPN-Konfiguration.
- Kleine Teams (unter 5 Personen): Ein eigener Server im Büro lohnt sich bei wenigen Arbeitsplätzen oft nicht. Cloud-Dienste sind schnell einsatzbereit und skalieren mit.
- Kein eigenes IT-Wissen: Um einen gemieteten Server muss sich jemand kümmern — der Anbieter, ein Dienstleister oder ich als gemanagte Variante. Sie selbst müssen sich nicht um Updates, Sicherheitspatches oder Hardware-Austausch kümmern.
Wann ein lokaler Server besser passt
- Große lokale Dateien: Wenn Sie regelmäßig mit großen Dateien arbeiten — CAD-Zeichnungen, hochauflösende Fotos, Videodokumentation — ist ein lokaler Server deutlich schneller. Der Upload in die Cloud dauert bei diesen Datenmengen zu lange.
- Unzuverlässiges Internet: In ländlichen Gebieten ist die Internetverbindung oft langsam oder instabil. Wenn Ihr Betrieb ohne Internet nicht arbeiten kann, haben Sie ein Problem.
- Branchensoftware ohne Cloud-Version: Manche spezialisierte Software läuft nur lokal. Ein Server ermöglicht den gemeinsamen Zugriff im Büro.
Wann eine Hybridlösung Sinn macht
Die meisten Betriebe fahren am besten mit einer Kombination:
- E-Mail und Dateien aus der Cloud — selbst gehostet auf einem deutschen Server (Mailcow für E-Mail, Nextcloud für Dateien), auf Wunsch als gemanagte Variante
- Branchensoftware und große Dateien auf einem lokalen Server oder NAS
- Cloud-Backup für die Datensicherung (außer-Haus-Kopie) — wie Sie das nach der 3-2-1-Regel richtig aufsetzen, erkläre ich in einem eigenen Beitrag
Und Microsoft 365? Das bleibt eine bewusste Ausnahme: Wenn Ihre Branchensoftware Microsoft voraussetzt oder ein einzelner Arbeitsplatz es wirklich braucht, bleibt genau dieser Arbeitsplatz bei Microsoft 365 (129,60 EUR pro Nutzer und Jahr). Pragmatisch, nicht dogmatisch — gespart wird dort, wo es keinen Kompromiss kostet.
So nutzen Sie die Vorteile beider Welten: schnellen lokalen Zugriff auf große Dateien und flexible Cloud-Dienste für Zusammenarbeit und E-Mail.
Kostenvergleich: Ein Beispiel
Für einen Betrieb mit 8 Arbeitsplätzen sieht der Vergleich ungefähr so aus:
Cloud-Lösung, selbst gehostet auf deutschen Servern
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Gemieteter Server in Deutschland (Nextcloud + Mailcow) | ca. 20-40 EUR/Monat |
| Office-Programme (LibreOffice, alle 8 Arbeitsplätze) | 0 EUR |
| Wartung und Updates | ca. 50 EUR/Monat |
| Cloud-Branchensoftware | ca. 50-150 EUR/Monat |
| Gesamt monatlich | ca. 120-240 EUR/Monat |
Lokaler Server mit Cloud-Backup
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Server-Hardware (alle 5 Jahre) | ca. 2.000-3.000 EUR (einmalig) |
| E-Mail auf deutschem Server (Mailcow) | ca. 10-20 EUR/Monat |
| Cloud-Backup | ca. 10 EUR/Monat |
| Wartung und Updates | ca. 50 EUR/Monat |
| Gesamt monatlich (umgerechnet) | ca. 100-130 EUR/Monat |
Zum Vergleich: Dieselben acht Arbeitsplätze komplett mit Microsoft 365 kosten allein an Lizenzen rund 86 EUR pro Monat (129,60 EUR pro Nutzer und Jahr) — bevor Branchensoftware und Betreuung überhaupt dazukommen. Und diese Kosten laufen jedes Jahr weiter.
Zwischen Cloud und lokalem Server sind die Kosten dagegen oft ähnlich. Der Unterschied liegt weniger im Preis als in den Anforderungen Ihres Betriebs. Auf meiner Preisseite finden Sie konkrete Beispiele für typische IT-Kosten im Mittelstand.
Worauf Sie bei der Entscheidung achten sollten
-
Internetqualität prüfen: Messen Sie Ihre tatsächliche Bandbreite (Upload und Download) zu verschiedenen Tageszeiten. Für Cloud-Arbeit brauchen Sie mindestens 50 Mbit/s Download und 10 Mbit/s Upload.
-
Datenmenge abschätzen: Wie groß sind Ihre Arbeitsdateien? Bei Textdokumenten und kleinen Bildern reicht die Cloud. Bei CAD-Dateien oder Videos wird es eng.
-
Mitarbeiter-Mobilität bewerten: Arbeiten Ihre Leute hauptsächlich im Büro oder viel unterwegs?
-
Branchensoftware prüfen: Gibt es Ihre Hauptsoftware als Cloud-Version? Wenn nicht, brauchen Sie zumindest für diese Anwendung eine lokale Lösung. Und setzt sie Microsoft voraus, bleibt dieser Arbeitsplatz bei Microsoft — der Rest muss deshalb nicht mitziehen.
Mein Rat
Starten Sie nicht mit einer Komplett-Umstellung. Beginnen Sie mit E-Mail und Dateien aus der Cloud — auf einem deutschen Server, selbst gehostet oder für Sie gemanagt. Das funktioniert fast immer, bringt sofort Mehrwert und bindet Sie an keinen Konzern. Den Rest können Sie schrittweise angehen. Wie ein solcher schrittweiser Umstieg in der Praxis funktioniert, zeigt die Zimmerei Handschlag — von einer kostspieligen Standardlösung hin zu einer schlanken, lizenzfreien Alternative.