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Sicherheit 4 Min. Lesezeit Von Sascha Zaluskowski

Phishing-Mails erkennen: So schützen Sie Ihren Betrieb vor gefälschten Rechnungen

Digitale Sicherheit — Schutz vor Phishing und Betrugs-E-Mails

Warum gerade kleine Betriebe im Visier stehen

Phishing ist längst kein Massenphänomen mehr, das nur Privatleute mit angeblichen Paketbenachrichtigungen trifft. Kriminelle haben kleine und mittlere Betriebe als lohnendes Ziel entdeckt: Dort laufen täglich echte Rechnungen ein, die Buchhaltung ist oft eine einzelne Person, und zwischen Kundenterminen bleibt wenig Zeit, jede E-Mail zu hinterfragen.

Die häufigsten Maschen im Betriebsalltag:

  • Gefälschte Lieferantenrechnungen: Eine Rechnung, die echt aussieht — nur die Bankverbindung wurde ausgetauscht.
  • Chef-Betrug (CEO-Fraud): Eine angebliche E-Mail vom Inhaber bittet die Buchhaltung um eine “dringende Überweisung”.
  • Gefälschte Login-Seiten: Eine Mail fordert auf, sich “aus Sicherheitsgründen” bei der Bank oder beim E-Mail-Konto anzumelden — auf einer nachgebauten Seite, die Ihre Zugangsdaten abgreift.

Die gute Nachricht: Mit einem geschulten Blick erkennen Sie die allermeisten dieser Mails in Sekunden.

Die 5 wichtigsten Warnsignale

1. Die Absenderadresse passt nicht zum Absendernamen

Der angezeigte Name lässt sich beliebig fälschen — die tatsächliche Adresse dahinter nicht. Eine Mail von “Sparkasse Kundenservice” mit der Adresse service@sparkasse-sicherheit-24.net ist keine Mail Ihrer Sparkasse. Fahren Sie mit der Maus über den Absendernamen (ohne zu klicken) und prüfen Sie die echte Adresse. Achten Sie auf kleine Abweichungen: rechnung@lieferant-gmbh.de statt rechnung@lieferantgmbh.de.

2. Zeitdruck und Drohungen

“Ihr Konto wird in 24 Stunden gesperrt”, “Letzte Mahnung vor Vollstreckung”, “Bitte noch heute überweisen” — künstlicher Zeitdruck ist das wichtigste Werkzeug der Betrüger. Seriöse Geschäftspartner und Behörden setzen Fristen von Wochen, nicht von Stunden. Wer Sie zur Eile drängt, will verhindern, dass Sie nachdenken oder nachfragen.

3. Geänderte Bankverbindung

Der Klassiker bei gefälschten Rechnungen: Alles sieht aus wie immer, nur die IBAN ist neu. Machen Sie es zur festen Regel im Betrieb: Jede geänderte Bankverbindung wird telefonisch beim Lieferanten bestätigt — und zwar unter der Ihnen bekannten Nummer, nicht unter der Nummer aus der E-Mail. Dieser eine Anruf kostet zwei Minuten und hat schon viele Betriebe vor fünfstelligen Schäden bewahrt.

Der Text eines Links kann etwas völlig anderes anzeigen als sein Ziel. Fahren Sie mit der Maus über den Link, bevor Sie klicken — die tatsächliche Adresse erscheint unten im Fensterrahmen oder in einem Hinweisfeld. Führt ein angeblicher Bank-Link zu einer kryptischen Adresse, löschen Sie die Mail. Im Zweifel: Tippen Sie die Adresse Ihrer Bank oder Ihres Lieferanten selbst in den Browser, statt dem Link zu folgen.

Vorhängeschloss als Symbol für geschützte Unternehmensdaten

5. Ungewöhnliche Anhänge

Rechnungen kommen als PDF — nicht als ZIP-Datei, nicht als Word-Dokument mit Makros und schon gar nicht als Datei mit doppelter Endung wie Rechnung.pdf.exe. Öffnen Sie unerwartete Anhänge grundsätzlich nicht, auch wenn der Absender bekannt wirkt: Wenn das E-Mail-Konto eines Geschäftspartners gekapert wurde, kommen die gefährlichen Mails von der echten Adresse.

Drei Regeln für den Betriebsalltag

Technik allein reicht nicht — die wirksamsten Maßnahmen sind organisatorisch:

  1. Vier-Augen-Prinzip bei Überweisungen: Ab einer festgelegten Summe (zum Beispiel 1.000 Euro) gibt niemand allein eine Überweisung frei. Das stoppt den Chef-Betrug zuverlässig, denn der lebt davon, dass eine einzelne Person unter Druck handelt.
  2. Rückruf-Regel bei Änderungen: Neue Bankverbindung, neue Lieferadresse, “dringende” Zahlungsaufforderung vom Chef? Immer über den bekannten Kanal gegenprüfen.
  3. Melden ohne Schuldgefühl: Wer auf einen Link geklickt hat, muss das sofort sagen dürfen — ohne Standpauke. Je früher Sie von einem Vorfall wissen, desto kleiner der Schaden. Ein Betrieb, in dem Fehler vertuscht werden, ist das eigentliche Sicherheitsrisiko.

Und wenn es doch passiert ist?

Ruhe bewahren und in dieser Reihenfolge handeln: Bei einer betrügerischen Überweisung sofort die Bank anrufen — innerhalb weniger Stunden lassen sich Zahlungen oft noch stoppen. Betroffene Passwörter umgehend ändern, den betroffenen Rechner vom Netzwerk trennen und den Vorfall bei der Polizei anzeigen. Und prüfen Sie danach ehrlich, was den Angriff möglich gemacht hat.

Ein aktueller Virenschutz, regelmäßige Datensicherungen und Zwei-Faktor-Anmeldung für wichtige Konten fangen dabei vieles ab, was der menschliche Blick übersieht. Wie Sie diese Grundlagen an einem Tag umsetzen, lesen Sie im Beitrag zu den 5 Sicherheitsmaßnahmen für den Mittelstand.

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